Dirt Eater

Am Anfang war...

Zurück in die Küche
Angel Eyes' Telefon klingelte. "Ich möchte, dass du für mich nach Tunis fliegst und mir diese Statue besorgst. Kannst du das für mich machen? Es wird natürlich nicht dein Schaden sein." So lautete der Auftrag. Es bestand für Angel kein Grund lange zu überlegen. Das Geld war knapp, der Job gut bezahlt, die Zeit ausreichend und das Haus, in das es einzubrechen galt, eine Herausforderung. "Aber natürlich! Wo genau finde ich die Statue?"

...

McBurn stank die Sache gewaltig. Er wusste, dass er diesem Typen einen Gefallen schuldig war, aber dass er das so ausnutzen würde, sollte er noch bereuen. Danach wären sie quitt.
"Habe ich denn eine Wahl?", antwortete er schnodderig. "Also, was, wann und wo? Nach dem Wie frage ich nicht, dass ist und bleibt meine Sache."
"Das Wie interessiert mich nicht. Natürlich ist das deine Sache und Vorschriften will ich dir ja schließlich auch keine machen."
"Was, wann und wo?", knurrte es ein bisschen aggressiver als kurz zuvor durch den Hörer.
"Gut. Es handelt sich dabei um ein Tuch. Es befindet sich in einer Vitrine im Büro einer ... bedeutenden Person in Tunis."
"Geht's auch etwas genauer?"
"Bei dem Tuch handelt es sich um eine..."
"Interessiert mich nicht! Wo genau befindet sich der Lappen?", wollte McBurn wissen. "Wessen Lappen ist das?"
"Das Tuch befindet sich ... in der Botschaft der UCAS in Tunis."
"Grmpf! Das ist ein Witz, oder?"

...

"Das ist schließlich mein Job. Dafür bezahlen Sie mich. Ob ich diesen nun irgendwo in Myanmar oder in der Botschaft in Tunesien machen soll, spielt für mich keine Rolle."
"Sean, wegen dieser Einstellung freue ich mich jedes Mal, Sie mit diesen, nun ja, etwas diffizilen Aufträgen zu betrauen.", klang es über den Schreibtisch.
"Wenn ich das nächste Mal in diesem Büro bin, werde ich diese Speerspitze in den Händen halten mit der Gewissheit, etwas für das Selbstverständnis der elfischen Kunstgeschichte auf dieser Insel getan zu haben. Dies wird sicherlich nur einen kleinen, trotz allem aber spürbaren Anteil an der Entwicklung der elfischen Art auf diesem Planeten haben, und dies erfüllt mich mit einem guten Gefühl."
Sean hasste dieses Geschwaffel, wusste aber, dass sein Gegenüber genau das Hören wollte. Und schließlich wurde er auch gut bezahlt. Da nahm man ein bisschen geschwollenen Patriotismus gern in Kauf. Und abgesehen davon, war Mortimer, sein Auftraggeber und Kurator des Museums, ein feiner Kerl. Etwas kauzig, aber doch sehr sympathisch. Und außerdem, etwas Kultur kann der Metamenschheit schließlich nicht schaden, besonders, wenn es elfische ist.

...

"Stehlen? Du willst, dass ich irgendwo einbreche, um dort etwas zu stehlen?", schrie Sullivan fast.
"Und dann soll es auch noch in einer Botschaft sein? In Tunesien? Während einer Feier? Das ist doch nicht dein Ernst! Und ausgerechnet ich soll es sein, weil ich Erfahrung in Sachen Naher Osten habe? Was, zum Henker, hat das denn damit zu tun? Welchen Vorteil soll mir das bringen? Sind etwa nur Araber auf dieser Party? Muss ausgerechnet ich das machen? Willst du mich jetzt zu einem Dieb machen?"
"Ja!", lautete die kurze Antwort.
"Und warum sollte ich das machen?"
"Weil du pleite bist und ich dich dafür bezahle."
"Verdammt!"

...

An diesem Abend waren alle Fenster in dem Saal geöffnet. Der leichte Wind trug den Duft des Meeres mit sich in die Botschaft, verschaffte aber keine Linderung. Es war widerlich heiß. Und die Menge an Gästen sorgten sicherlich auch nicht für ein angenehmeres Klima. Der amerikanische Botschafter Gregory hatte zu seinem 15. Jubiläum geladen und somit eine Menge illustre Prominenz angelockt. Ein Quintett sorgte mit klassischer Musik für eine gediegene Atmosphäre und ein Buffet wurde aufgetragen. Die Feier fand im großen Saal im Erdgeschoss statt, trotzdem verteilte sich die Gesellschaft im gesamten Gebäude. Lediglich die Büros und wenige Privaträume waren verschlossen. Auch Gregorys großes Büro gehörte zum Sperrgebiet. Trotzdem war dieser Raum nicht leer. In diesem Büro befanden sich vier Personen; drei Elfen und ein Troll. Durch einen Zufall, dessen Wahrscheinlichkeit mathematisch nur schwerst zu beziffern ist, wollten alle vier Personen in dieser Nacht, in dieser Botschaft zu genau der selben Zeit vier verschiedene Gegenstände aus ein und demselben Raum stehlen. Jeder hatte sich ein eigenes Versteck gesucht, als jeweils der nächste in den einst verschlossenen Raum eindrang. Und als sich dann alle zu erkennen gegeben und man sich bezüglich des weiteren Vorgehens geeinigt hatte, löste einer der Diebe einen Alarm aus.

Anfängliche Panik aufgrund der Unkenntnis bezüglich der Bedeutung des Alarms schaffte ein gewisses Chaos im Saal im Erdgeschoss. Nicht allein wegen dieses Chaos verriegelte die versammelte Sicherheitsbelegschaft die gesamte Botschaft, welches in zu erwartender Weise für Unmut unter den Gästen führte. Somit waren alle Ein- und Ausgänge dicht. Und nur wenige Augenblicke später waren auch die Grenzen des gesamten Grundstückes abgeriegelt. Keiner der potentiellen Auslöser des Alarms war guten Mutes, was das Verlassen der Botschaft mit der Beute anging. Manche versuchten sich in alternativen Manövern, mussten aber letztendlich erkennen, dass man dieses Mal vermutlich nicht drumherum käme, den Auftraggeber zu enttäuschen. Welch grandioser Auftakt für eine Runnerkarriere.

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