Dirt Eater

Der entlaufene Ingenieur

Zurück in die Küche
Bevor du was über diesen Run hörst, muss ich dir von der Nacht mit dem Rennwagen erzählen. Sonst wirst du nicht verstehen worum es hier geht...

Sandlers Chef-Ingenieur Mark hatte einen ausgeklügelten Plan: Nachdem er das entscheidende Rennen sabotiert hatte, danach zusammen mit einem Techniker des Royce Teams alle Daten über Sandlers Rennwagen gestohlen hatte und dann die Zerstörung desselben ermöglicht hatte, wollte er sich ein paar Tage bei Roger Connery, einem guten Freund seines verstorbenen Vater, verstecken, um dann mit neuer Identität, besserer Bezahlung und einem eher zu ertragenen Chef ganz neu anzufangen.

Allerdings hatte sein Plan zwei Schwachstellen. Erstens hat Sandlers Team sein Versteck herausgefunden. Zwar war Mark so schlau, für die Vorbereitung seines Plans nicht das von Sandler gestellte Kommlink zu benutzen. Dummerweise benutzte er aber des öfteren das öffentliche Telefon in der Nähe des Firmensitzes, um mit Roger Connery zu sprechen. Über das ins Kommlink eingebaute GPS werden Sandlers Mitarbeiter ständig überwacht (was sie natürlich nicht wissen). So vollzogen Sandlers Techniker, nachdem Marks Verrat herauskam, dessen Wege nach, stießen auf das öffentliche Telefon und besorgten sich mittels einiger Bestechungsgelder die Aufnahmen der dort von Mark getätigten Gespräche. Dieser hatte zwar nie explizit von seinem Plan gesprochen, aber doch deutlich gemacht, dass er noch bis zur übernächsten Nacht bei Connery unterkommen müsse. So kannte man also seinen Aufenthaltsort und wusste, dass schnell zu handeln war.

Die zweite Schwachstelle in seinem Plan war die, dass er im Laufe der Zeit zuviel über die inneren Strukturen und die (teilweise ziemlich dunklen) Machenschaften des Royce Teams erfahren hat. Daher entschied sich der Chef des Royce Teams für die einfachste Möglichkeit: Nachdem Mark seinen Teil der Abmachung erfüllt hatte, sollte er kurzum liquidiert werden. Das sollte von demselben Killerkommando erledigt werden, welches auch den Rennwagen zerstört hat - und zwar noch in der gleichen Nacht. Doch da die Runner ihnen ganz schön zugesetzt hatten, wurde daraus nichts. Also hat man Mark erstmal zu seinem Freund Connery gehen lassen, um ihn dann ein paar Tage später unter dem Vorwand, ihn in Sicherheit bringen zu wollen, abzuholen und die Liquidierung nachzuholen. Zur Sicherheit ließ man ein paar Leute des Royce Teams zur Bewachung in Connerys Villa. Die Liquidierung sollte wiederum das schon zuvor angeheuerte Killerkommando übernehmen. Um kein Aufsehen zu erregen, durfte es nicht in der Villa passieren und es sollte wie ein Unfall aussehen. Aber schon wieder sollten die Runner dazwischen kommen...

Aber fangen wir vorne an: Sandler schickte also seinen Leibwächter Sam, um die Runner wiederum anzuheuern. Sam hatte Sandler davon überzeugen können, dass die Runner keine echte Chance hatten, den Rennwagen zu retten, und dass sie gut für den neuen Job geeignet wären. Außerdem müsse der Job spätestens in der übernächsten Nacht erledigt werden, weswegen kaum Zeit blieb, ein anderes Team zu besorgen. So erteilte Sam also den Runnern den Auftrag, Mark aus Connerys Villa zu entführen und ihn lebend zu Sandler zu bringen.

Von einem Bekannten erfuhren die Runner so einiges über Roger Connery. Dieser Bekannte hatte selbst schon zweimal für Connery gearbeitet und auch schon dessen Villa besucht. Bei Connery handelt es sich um einen 70 Jahre alten, ziemlich verschrobenen Menschen. Er ist Großwildjäger, der scharf auf jede erdenkliche Tier- oder Crittertrophäe ist. Sein Haus ist vollgestopft mit den skurrilsten Objekten dieser Art. Sein Prachtexemplar ist der Kopf einer gefiederten Schlange, die er angeblich selbst erlegt hat. Er hat fast sein ganzes Leben die Welt bereist und Tiere und Critter gejagt. Inzwischen ist er aber zu alt und gebrechlich und lässt deshalb andere für ihn jagen. Er ist, was Critter und wilde Tiere angeht, ein wandelndes Lexikon. Wird irgendwo ein besonderes Exemplar gesichtet, weiß er sofort darüber bescheid und versucht, an dessen Kopf zu kommen.

Connery wohnt in einem Waldgebiet in Fort Lewis. Von der Haupstraße führt ein Weg ca. 1 km durch den Wald zu Connerys Villa. Sie ist komplett von einem ca. 10 Meter breiten Lichtungsstreifen umgeben und liegt selbst auf einer kleinen Anhöhe. Das Gelände der Villa ist von einer ca. 2 Meter hohen Mauer umgeben, die mit einigen Kameras gesichert ist. Der Weg endet vor einem großen Eisentor, dass kaum zu überwinden ist. Die Runner bekamen einen Plan der Villa, den ihr Bekannter aus seiner Erinnerung erstellte. Da er die obere Etage nicht ganz gesehen hatte, konnte er dort nicht alle Räume einzeichnen. Über die Sicherheitsmaßnahmen wusste er nur wenig: Connery hat auf jeden Fall vier große Doggen (Duke, Earl, Lord und Prince), an denen er hängt, als wären es seine Söhne. Sie laufen frei auf dem Gelände der Villa herum und schlafen in vier Hundehütten an der Seite der Villa. Der Weg, der zur Villa führt, ist ca. 300 Meter vor der Villa durch Kameras gesichert. Connery ist mit seinen Schrot-, Sport- und Scharfschützen-Gewehren ein Meisterschütze. In dem Haus halten sich mindestens ein uralter Diener und eine Art Hausmeister auf, der auch gleichzeitig für die Sicherheit verantwortlich ist.

Der Bekannte legte den Runnern nahe, dem zwar etwas seltsamen, aber eigentlich sympathischen (und vor allem unschuldigem!) Connery nichts anzutun. Er könnte ein zukünftiger Auftraggeber sein, die Runner sollten also vermummt auftreten. Auch die Doggen sollten sie nicht töten – es würde Connery das Herz brechen. Überhaupt wäre Gel-Munition für diesen Auftrag wohl das beste, da zu viele Unschuldige beteiligt sind.

Die Runner nahmen sich diese Worte zu Herzen. Nachdem sie das Anwesen in der ersten Nacht von außen in Augenschein nahmen, ging es dann in der zweiten Nacht mit Gel- (aber auch normaler) Munition bewaffnet los. Sie schalteten die Hunde aus, indem sie ihnen mit Betäubungsmittel versehenes Fleisch über die Mauer warfen. Dann schalteten sie ohne größere Probleme eine Kamera aus und überkletterten die Mauer. Die Probleme fingen erst im Haus an. Die Runner kamen zwar unbemerkt über einen Balkon ins Haus, waren dort dann aber nicht leise genug. So mussten sie sich ein Feuergefecht mit den anwesenden Leuten des Royce Teams liefern. Zu allem Überfluss machte ihnen dann auch noch der wachgewordene Connery in Schlafrock, Zipfelmütze und mit einem groß-kalibrigen Gewehr zu schaffen. Gott sei dank konnten sie ihn aber ohne Blutvergießen ins Land der Träume zurückschicken. Den mit einem Schockhandschuh ausgeschalteten Mark schleppten sie zurück durch den Wald. Eile war geboten, da die Leute des Royce Teams sicherlich noch einen Notruf abgegeben hatten. Dummerweise wurde eine Horde von Höllenhunden auf sie aufmerksam, die in diesen Gegenden häufiger vorkommen. Die Runner konnten auch sie überwinden, hätten aber fast Mark verloren, der - wehrlos wie er war - beinahe zu Tode gebissen worden wäre.

In der Hoffnung, Mark nun endlich an Sandler übergeben zu können, mussten sie allerdings feststellen, dass die Strapazen immer noch nicht beendet waren. In Sandlers Firma wurde ausgerechnet zu dem Zeitpunkt eine Lonestar-Razzia durchgeführt, da Sandler von jemandem (wahrscheinlich dem Royce Team) angeschwärzt worden war. Deshalb sollten die Runner noch einige Zeit mit Mark durch die Gegend fahren... Genug Zeit für das Killer-Kommando, die Runner und Mark aufzuspüren, um ihren Auftrag endgültig auszuführen. Der ursprüngliche Plan, Mark bei einem fingierten Verkehrsunfall umkommen zu lassen, wurde fallengelassen und wich Plan B: Mark töten - egal wie!

Dank eines Peilsenders, mit dem sie Mark verwanzt hatten, konnten sie die Runner aufspüren. (Hätten die Runner den Sender entdeckt, hätte wahrscheinlich ein weiterer Maulwurf in Sandlers Team, der erst später entlarvt werden konnte, dem Killer-Kommando den Aufenthaltsort der Runner verraten.) Es folgte eine kurze, aber heftige Auto-Verfolgungsjagd, bei der die Runner schnell merkten, dass sie keine Chance hatten - vor allem dem Fahrzeug-Raketenwerfer hatten sie nichts entgegenzusetzen. So verließen sie ihr Auto in einer halsbrecherischen Aktion und flüchteten durch Hinterhöfe und Seitenstraßen. Als sie auf den Trichter kamen, dass Mark verwanzt war, beseitigten sie den Peilsender und konnten sich endlich in Sicherheit wiegen.

Nach einiger Zeit sammelte Sam den entlaufenen Ingenieur ein und bezahlte die Runner. Er ließ es sich nicht nehmen, einen Bonus springen zu lassen, da die Situation - mal wieder - weitaus gefährlicher war, als man ursprünglich gedacht hatte.

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