Dirt Eater

Es war einmal in Saskatoon...

Zurück in die Küche
Freddy und ich stapften, lautstark über Heisenbergs Unschärferelation diskutierend, durch den tiefen Schnee. Als wir gerade frierend ins Auto stiegen, blendeten weit hinter uns zwei Scheinwerfer auf, die zu einem Wagen gehörten, der mit hohem Tempo in unsere Straße einbog. Gewohnt lässig stieg ich ins Auto und ließ den Motor an. Endlich hatte auch Freddy seinen riesigen Körper auf den Beifahrersitz gezwängt, womit dem Anfahren nichts mehr im Wege stand. Wie üblich wirbelte ich dabei eine Schneefontäne auf und fabrizierte einen meiner gefürchteten Slides. Die Scheinwerfer waren immer noch einige hundert Meter entfernt.

Wir fuhren zügig in Richtung Kanal, wobei wir den jeweils anderen, an unserem reichen Wissensschatz partizipieren ließen. Nicht ohne einen wunderschönen Slide, bog ich in die Kanalstraße ein, wobei ich ob der malerischen Architektur der umliegenden Häuser, einen kurzen Monolog über die Vielfalt der verschiedenen Baustile im letzten Jahrtausend begann. Freddy folgte meinen Worten angeregt, während hinter uns ein weiterer Wagen in die Kanalstraße einbog. Freddy zitierte gerade Hemingway, als mir auffiel, dass der hinter uns fahrende Wagen schnell zu uns aufschloss, was nicht weiter beachtlich gewesen wäre, wenn ich nicht schon selbst einige Meilen zu viel auf dem Tacho gehabt hätte. Einen Moment lang waren meine Sinne auf den rasch näher kommenden Wagen gerichtet, doch Freddy lenkte meine Aufmerksamkeit mit einer satirischen Bemerkung zur Literatur des 21. Jahrhunderts wieder auf unser Gespräch.

Anschließend diskutierten wir kurz, aber heftig - immerhin so heftig, dass Freddy einmal kurz seine Sporne aufblitzen ließ - über die Bedeutung von Thomas Hobbes für die moderne Staatsphilosophie, als ein Aufprall unseren Wagen erschütterte, und ihn ins Schleudern brachte. Es gelang mir erst wieder den Wagen unter Kontrolle zu bekommen, als ein einst stolzer Laternenmast unsere Fahrt jäh unterbrach.

Freddy und ich wussten, dass nun etwas geschehen würde, was wir beide nicht wollten. Ich sah in Freddys Augen. Er sah traurig aus. Ich wusste, dass er es schon jetzt bedauerte, doch es war unvermeidlich. Sie waren zu weit gegangen. Wir nickten uns noch kurz zu, und während ich die Fahrertür öffnete, gruben sich Freddys Sporne durch unser Autodach.

Der Wagen unserer Feinde setzte gerade zu einem erneuten Rammstoß an, als ich mich mit hoher Geschwindigkeit zu einer schützenden Häuserecke bewegte. Ich zog meine treue "FN Desert Eagle" aus dem Tarnhalfter, als fast zeitgleich der Wagen unserer Feinde - ein gepanzerter Van - seinen zweiten Rammstoß vollendete und Freddy durch das Dach unseres Autos brach. Das war mein Moment. Blitzschnell rannte ich auf das Heck des Vans, der gerade zurücksetzen wollte, zu. Ich sah augenblicklich, dass meine normale Mun der Panzerverglasung des Vans nicht gewachsen sein würde. Deshalb ließ ich meine "Desert Eagle" in meine Manteltasche gleiten und begann wie ein Löwe zu brüllen. Freddy wusste was jetzt passieren würde, nicht jedoch meine Gegner, deren verdutzte Gesichter ich durch das getönte Glas leider nicht sehen konnte. Exakt zeitgleich - Freddy und ich sind halt ein eingespieltes Team - trafen meine Faust auf der Heckscheibe und Freddys Körper auf dem Dach auf. Das Ergebnis waren eine zerschmetterte Heckscheibe, ein halb eingedrücktes Dach und einige verduzte Gesichter im Inneren des Autos.

Einen Moment fragte ich mich, ob ich die Typen auffordern sollte, sich zu ergeben, doch angesichts der Tatsache, dass ich unbewaffnet in den Lauf von einigen Pistolen blickte, schien mir die Idee, erst mal einen der Typen zu erschießen, angebrachter zu sein. So zog ich meine "Desert Eagle" und verpasste dem nächstsitzenden eine Kugel. Als die immer noch verduzten Typen - nun waren es nur noch fünf plus Fahrer - endlich aus allen Rohren feuerten, war ich längst neben dem Wagen, der nun hektisch zurücksetzte, um seinen Weg über die Kanalstraße fortzusetzen. Doch das wollte Freddy nicht zulassen, und so versuchte er die Windschutzscheibe zu zerschmettern. Leider ist Freddy nicht dazu in der Lage seine Kräfte in gleicher Weise zu kanalisieren wie ich, weshalb ihm die Scheibe auch gehörigen Widerstand leistete. Auf jeden Fall hatte der Fahrer den Wagen weit genug zurückgesetzt, um nun mit Vollgas die Kanalstraße entlang zu fahren. Ich dachte kurz über den Einsatz einer Granate nach, hielt es dann aber doch für angebracht, Freddy nicht zu gefährden. So beschränkte ich mich darauf, dem Wagen hinterher zu sprinten und den auf mich abgefeuerten Kugeln auszuweichen.

Währenddessen hatte Freddy endlich die Windschutzscheibe geknackt und flach auf dem Dach des Wagen liegend das Lenkrad gegriffen. Somit fuhr der Wagen nun unaufhaltsam auf die verschneite Kanalböschung zu. Die Insassen hatten indes scheinbar erkannt, dass der Fahrer die Kontrolle über den Wagen verloren hatte und so sprangen diese armen Kerle aus dem Wagen. Ich nahm mich ihrer an.

Aus Pietätsgründen möchte ich an dieser Stelle keine ausführliche Beschreibung der nächsten paar Sekunden anschließen. Vielleicht soviel: Eine Waffe habe ich nicht benutzt. Als meine Gegner zu Opfern geworden waren, sorgte ich mich doch ein wenig um Freddy, der auf dem Dach des Wagens die Böschung hinuntergegangen war. Doch noch bevor ich den Rand der Böschung erreichte, kam Freddy, auf dem rutschigen Boden Halt suchend, zurück auf die Straße geklettert. Die Leiche des Fahrers hatte er sich über die Schulter geworfen. Er wirkte zufrieden und auch ich musste einen Moment lang lächeln, doch dann wich unsere Freude der Trauer über den sinnlosen Tod von sieben jungen Menschlein.

Ich nahm meinen 2,80 m großen Freund kurz in den Arm. Beide unterdrückten wir unsere Tränen nur mühsam. Was ist das für eine Welt? Eine Welt, in der ein Troll und ein Ork nicht einfach mal friedlich mit dem Auto durch die Stadt fahren können, ohne zum Töten genötigt zu werden.

Langsam schritten wir nun, über den Sinn des Lebens nachdenkend, dem Sonnenuntergang entgegen.


Billy





>>>>>[Ich hatte schon bei den meisten seiner Beiträge diesen Verdacht, aber jetzt kommt man nicht mehr daran vorbei. Und hier ist der Beweis: DIESER BLINDGÄNGER HAT EINEN GHOSTWRITER! Oder gibt es tatsächlich einen Schrottvogel in diesem Host, der einem Ork glaubt, er hätte sich mit einem Troll (!) über Philosophie, etc. unterhalten? Blablablablabla! Sehr glaubwürdig...]<<<<<
- Twister <13.4.58/22:05:31>

Zurück in die Küche