Dirt Eater

Die Vorgeschichte von Bandit (Vanessa Shane)

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Ich wurde geboren am 26. Februar 2032 in Essen als Tochter der Eheleute Peter Shane und Amanda Shane geb. Haendly. Mein Bruder, Thomas Shane, war zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre alt. Sein Geburtstag ist der 02. Oktober 2029. Meine Eltern sind Angestellte des Seader-Krupp Konzerns. Wir lebten bis März 2039 in Essen und zogen dann aufgrund der Versetzung meines Vaters um nach New York. Damals waren meine magischen Fähigkeiten bereits erkennbar. Der Konzern überedete meine Eltern zur gezielten Ausbildung dieser Fähigkeiten. Natürlich im Sinne des Konzerns. Meine Eltern konnten den mit der Förderung meiner Magie einhergehenden Wesensänderungen kein Verständnis entgegenbringen; zumal mein Bruder Thomas eine solche Begabung nicht aufwies. Sie verstanden die Magie einfach nicht. Langsam entfremdete ich mich von meinen Eltern und führte ein eigenes und zurückgezogenes Leben innerhalb der für die Ausbildung von Magiebegabten vorgesehenen Bereiche des Konzerns. Freundschaften schloß ich keine. Lediglich zu meinem Bruder hielt ich noch annähernd freundschaftliche Bande aufrecht. Mit voranschreitender Ausbildung wurde mir bewußt, dass ich mich in der Konzernwelt eingeschlossen fühlte. Die gesamte Ausbildung zielte ab auf die Verteidigung und Unterstützung des Konzerns. Dies widersprach jedoch vollkommen meinem Wesen. Warum das so war, wußte ich nicht. Ich fühlte mich einfach nur eingeengt, wie in einem Käfig.

Meine Ausbildung geriet ins Stocken. Man sagte mir, ich müsste mich der Magie öffnen. Die magische Fähigkeit war da, doch ich konnte sie nicht nutzen. Heute glaube ich, es lag an dem Druck, der auf mich ausgeübt wurde. Ich entzog mich immer mehr der Magie, die für mich eine Seuche geworden war. Dieses Widersetzen hatte "erzieherische Maßnahmen" von Seiten des Konzerns zur Folge. Während einer dieser sogenannten Maßnahmen lernte ich bewußt mein Totem kennen. Doch dazu später.

Im Februar 2049, einige Tage nach meinem 17. Geburtstag, faßte ich kurzerhand den Entschluß, dem Konzern, meinen Eltern und meinem bisherigen Leben den Rücken zuzukehren. Mit Thomas' Hilfe gelang es mir unentdeckt New York zu verlassen und ein Flugzeug nach Seattle, der "Freiheit versprechenden Stadt" zu nehmen. Dort angelangt stellte ich schnell fest, dass man außerhalb des behütenden Konzerns auf den Straßen um sein Leben kämpfen muss. So schlug ich mich zunächst mit kleineren Diebereien durch, die meinem Totem sehr widerstrebten und landete schließlich bei einer heruntergekommenen Straßengang, den Diggids, die etwas magische Unterstützung dringend suchten. Das Ganggebiet der Diggids war Sophokles. An irgendeinem Abend hat es mich dann in das "Dirt Eater" verschlagen. Dort habe ich schließlich den größten Teil der Gruppe kennengelernt. Und dort habe ich, zusammen mit dem Rest der Gruppe, den Auftrag zu meinem ersten Run erhalten.

Die Wahl des Totems:

Mein Totem zeigte sich mir schon früh. Zumindest glaube ich das. Meine Eltern erzählten mir mal, dass sie sich oft über meinen imaginären Spielgefährten gewundert hätten. Irgendwann verschwand es. Ich kann nicht genau sagen, wann es war. Erst nach Beginn meiner Ausbildung, innerhalb des Konzerns, zeigte es sich wieder.

Ich saß als Bestrafung in einer hell erleuchteten Zelle, die bis auf ein Bett vollkommen leer war, als ich eine Stimme hörte, die versuchte freundliche Konversation mit mir zu führen. Ich dachte schon, dass ich jetzt total übergeschnappt sei. Ich ignorierte die Stimme als Hirngespinnst und legte mich auf das Bett. Gerade als ich dabei war einzuschlafen, bemerkte ich, dass etwas auf dem Bett am Fußende saß. Es war ein Waschbär. Er sah mich unablässig an. Ich konnte mich seinem Blick nicht entziehen. Dann hob er eine Pfote, zeigte damit auf mich und fragte: "Was denkst du, ist dein Weg?" Ich antwortete ihm, dass ich es nicht wüßte. Er schüttelte den Kopf. "Komm mit mir. Ich werde dir unseren Weg zeigen." Mein Bewußtsein löste sich von meinem Körper und ich folgte Waschbär durch ein Loch in der Wand, das ich vorher noch nicht bemerkt hatte. Ich kam mir vor wie Alice im Wunderland. Auf der anderen Seite der Wand waren eine Wiese und ein Fluß. Wir liefen lange Zeit gemeinsam den Fluß entlang, jagten Fische und versuchten Nester zu plündern. Als wir dann, um uns auszuruhen, am Ufer gemeinsam saßen, sah mich Waschbär durchdringend an und fragte mich: "Was denkst du nun, ist dein Weg?" Ich überlegte kurz und antwortete ihm: "Du bist mein Weg."

Am nächsten Morgen wachte ich ausgeruht auf. Ich lag auf dem Bett in meiner Zelle. Doch jetzt wußte ich genau, wer - oder besser - was ich war. Ich war Waschbär, und Waschbär war ich. Für immer. Das geschah circa ein Jahr vor meiner Flucht aus der Seader-Krupp-Arcologie in New York.

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